Testosteron-Test beim Hausarzt oder zuhause?
Beide Wege führen zu einem Laborwert. Sie unterscheiden sich bei Kosten, Aufwand und ärztlicher Begleitung.
Stand:
In der Praxis
Beim Hausarzt oder in einer Facharztpraxis (etwa Urologie oder Endokrinologie, teils mit der Zusatz-Weiterbildung Andrologie)[1] wird das Blut in der Regel aus der Vene abgenommen.[2] Bist du gesetzlich versichert, hast du Anspruch auf die Untersuchung als Kassenleistung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen (§ 27 SGB V).[3] Ohne medizinischen Anlass ist der Test eine Selbstzahlerleistung.[4][5]
Der Vorteil: Ärztliche Einordnung, körperliche Untersuchung und weitere Diagnostik kommen aus einer Hand[6], und es kann gezielt nach anderen Ursachen der Beschwerden gesucht werden.[7] Dafür musst du in die Praxis kommen[6], und die Blutabnahme sollte morgens stattfinden.[7]
Mit einem Test für zuhause
Du bestellst den Test online, nimmst das Blut in der Regel selbst ab und schickst die Probe an ein Labor. Bei einem der 17 Anbieter, die wir in unserem Vergleich aufführen (in der Tabelle und unter „Tests ohne ärztliches Gespräch“), lässt du das Blut stattdessen in deiner Hausarztpraxis abnehmen. Den Befund stellen 11 der 17 Anbieter laut eigenen Angaben digital bereit, etwa online, im Kundenkonto oder in einer App. Den Test bezahlst du selbst. Ob ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt dazugehört, ist je nach Anbieter verschieden: Es kann extra kosten, nur bei einem auffälligen Befund vermittelt werden oder ganz fehlen; bei manchen Anbietern bleibt es unklar. Dass das Gespräch im Testpreis enthalten ist, nennt derzeit keiner der 17 Anbieter in unserem Vergleich ausdrücklich. Statt eines Gesprächs nennen 2 dieser Anbieter eine schriftliche ärztliche Erklärung der Werte oder eine Prüfung des Befunds durch einen Arzt.
Der Vorteil: Du brauchst in der Regel keinen Termin und entscheidest selbst, an welchem Tag du testest – die Blutabnahme sollte aber auch zuhause morgens zwischen 7 und 10 Uhr und nüchtern stattfinden.[7] Dafür gibt es keine körperliche Untersuchung[6], und bei der Selbstentnahme können Fehler passieren.[2][8]
Die Unterschiede auf einen Blick
| In der Praxis | Zuhause | |
|---|---|---|
| Kosten | Kassenleistung, wenn medizinisch notwendig; sonst selbst bezahlt[3][4] | Test selbst bezahlt |
| Blutabnahme | meist aus der Vene, durch Fachpersonal[2][9] | meist selbst, Kapillarblut[9][10] |
| Termin | Praxisbesuch nötig, Blutabnahme morgens (7–10 Uhr), nüchtern[6][7] | meist nicht nötig; Blutabnahme aber auch morgens, nüchtern[7] |
| Ärztliche Einordnung | ja, persönlich[6] | je nach Anbieter |
| Weitere Untersuchungen | möglich, teils direkt in der Praxis[6] | für eine körperliche Untersuchung eigener Arztbesuch nötig[6] |
Was passt zu wem?
Bei deutlichen Beschwerden ist die Praxis ein guter erster Weg, weil dort auch nach anderen Ursachen gesucht werden kann.[7] Ein Test für zuhause kann passen, wenn du Beschwerden hast und ohne Termin einen ersten Laborwert möchtest oder Wert auf Diskretion legst. Ohne Beschwerden raten die Leitlinien davon ab, routinemäßig nach einem Testosteronmangel zu suchen.[7][11] Ein auffälliger Wert aus einem Heimtest gehört in jedem Fall ärztlich besprochen. Laut Leitlinien soll er mit einer zweiten Messung überprüft werden, wieder morgens und nüchtern.[7][11]
Anbieter mit ärztlichem Gespräch ansehen
Quellen
- Bundesärztekammer: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 03.07.2026, Zusatz-Weiterbildung Andrologie (Definition und Mindestanforderungen) – abgerufen am
- Spooner N et al.: Patient centric blood sampling and analysis for diagnostics and laboratory medicine, Bioanalysis 2025 (PMC12667661), Zusammenfassung sowie Abschnitte 4.1.2 und 4.2 – abgerufen am
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 27 Abs. 1 – Krankenbehandlung – abgerufen am
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 12 Abs. 1 – Wirtschaftlichkeitsgebot – abgerufen am
- Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), § 1 Abs. 2 – Anwendungsbereich – abgerufen am
- Bundesärztekammer: Hinweise und Erläuterungen zu § 7 Abs. 4 MBO-Ä – Behandlung im persönlichen Kontakt und Fernbehandlung, Stand 22.03.2019, Abschnitte I und II.1 bis II.3 – abgerufen am
- EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health 2026, Kapitel „Male Hypogonadism“, Abschnitte 3.3.2, 3.3.4 und 3.3.5 – abgerufen am
- Wixted D et al.: Comparison of a Blood Self-Collection System with Routine Phlebotomy for SARS-CoV-2 Antibody Testing, Diagnostics 2022 (PMC9406345), Zusammenfassung – abgerufen am
- Wallisch M et al.: Capillary Blood for Prostate-specific Antigen Testing: The PSA-CAP Study, European Urology Open Science 2025 (PMC12281128), Zusammenfassung – abgerufen am
- Tasso, Inc.: FAQ (Herstellerangaben), Fragen „How does a Tasso device work?“ und „What kind of samples does the Tasso+ collect?“ – abgerufen am
- Endocrine Society, klinische Leitlinie zum Hypogonadismus des Mannes, 2018, Zusammenfassung und Empfehlung 1.2 – abgerufen am
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.